Tutorial: Partyfotografie.

Du wurdest gefragt ob du auf dem 50. Geburtstag deines Onkels fotografieren kannst? Oder die Feier der Goldhochzeit der Großeltern?  Oder die große Party eines Freundes oder, oder, oder? Und du bist dir noch unsicher wie du das angehen sollst? In den nächsten Sätzen versuche ich etwas Sicherheit zu vermitteln und zu zeigen worauf es in der Partyfotografie ankommt. Sowas ist nicht in ein paar Sätzen gesagt, stellt euch also auf etwas Lesestoff ein. Auch werde ich eher auf grundlegende praktische Tipps eingehen und technischen Kram wie Einstellungen nur anschneiden. Da gibts andere Seiten die das ausführlich erklären.

DISCLAIMER: Was ich hier schreibe ist keine Norm nach der man gehen muss, es spiegelt lediglich meine Ansichten, Meinungen und Heransgehensweisen aufgrund meiner Erfahrungswerte wider.

Wie stelle ich meine Kamera ein?

Man sollte eine Kamera haben bei der man Herr der Einstellungen ist und ISO, Blende, Zeit sowie den Weißabgleich selbst bestimmen kann. Mindestens ein Zweitakku für Kamera (und Ersatzbatterien für den Aufsteckblitz) ist Pflicht. Es gibt nichts ärgerlicheres als wenn man mittendrin abbrechen muss weil man keinen Strom mehr hat. Zum Aufsteckblitz: Wer öfters fotografiert sollte sich wiederaufladbare Batterien (für den Blitz) und ein Ladegerät besorgen. Das ist auf Dauer kostengünstiger.

Der Aufsteckblitz sollte über TTL verfügen, so dass er in der Lage ist das Licht zu messen und die Blitzleistung automatisch einzustellen. Wenn man nicht vorhat regelmäßig auf Parties zu fotografieren reicht auch der interne Blitz. Allerdings darf das Objektiv nicht zu groß sein sonst gibts am unteren Bildrand einen Schatten. Da reicht sogar das KIT-Objektiv aus. Hab mit dem NIKKOR 18-55mm, 3.5-5.6 ansprechende Ergebnisse erzielt.

Einstellungen – Blende, ISO, Zeit, Weißabgleich

Es gibt keine Master-Einstellung. Jede Location hat seine eigenen Lichtverhältnisse, an die man sich anpassen muss. Für die, die es zum ersten mal machen rate ich, wenn die Möglichkeit besteht, vorher zur Location zu fahren oder die Einstellungen Daheim zu testen. Für Zuhause: die Deckenlampe ausmachen und kleine Tischlampen (in den Zimmerecken) anschalten. Etwa in der Raummitte stellt man sich ein Motiv hin:

  • BLENDE. Sie sollte recht offen sein. Ich fotografiere bei einer Blende von 3.5. Bei Fotos, die im Weitwinkelbereich geschossen und weil die Bilder sowieso noch meist verkleinert werden fällt die Tiefenschärfe nicht sonderlich auf. Besitzt das Objektiv einen Bildstabi, schaltet man den besser ein. So wird man bei längeren Zeiten einen nicht so verwackelten Hintergrund hinbekommen.
  • ISO-WERT. Nicht übertreiben… und auch nicht untertreiben. ISO 400 (meist ist der Hintergrund zu dunkel) ist zu wenig und ISO 2500 (zu verrauscht, kommt aber natürlich auf den Kameratyp und das Rauschverhalten an) widerum zu viel. Einen Wert von 1250-1600 halte ich für passend. Die Fotos bleiben von der Qualität hochwertig.
  • BELICHTUNGSZEIT. Die Zeit varriiert von mal zu mal. Es kommt immer auf die Gegebenheiten und die Lichtstimmung an. Auf Parties gibt es immer wechselndes Licht. Wenn es dunkel ist verlängere ich die Zeit (bis 1/6 sek). Knallen im nächsten Moment alle Scheinwerfer auf die Gäste verkürze ich. Dabei stelle ich die Zeit auf 1/15s oder 1/40 oder manchmal sogar 1/100s. Wenn es heller wird und du dir überlegst was man am besten einstellen soll um eine anständige Belichtung auf dem Foto zu haben, drehe am besten immer an der Zeit. Dabei ist auch zu achten, dass das Licht nicht direkt auf die Gesichter scheint. Sonst wird man schnell das Problem haben das die Gesichter im Licht verwischen. Auf die Positionierung gehe ich später noch ein.
  • WEIßABGLEICH. Für den Weißabgleich wählt man eine Einstellung (z.B. Blitz) die warme Farben erzeugt, denn sie strahlen wohlbefinden aus und passen besser zu einer Party statt kalte, blaue Töne. Die Haut wirkt deutlich “frischer” während bei kaltem Licht die Haut blass aussieht und Rötungen, Pickel etc. eher hervorgehoben werden.

Was macht eine gute Fotogalerie für die Feier aus?

Das bloße abfotografieren lächelnder Gäste reicht definitiv nicht um den Abend/die Veranstaltung wiederzuspiegeln. Eine Galerie braucht Abwechlung: Gästefotos, Atmo-/Übersichtsaufnahmen, (wenn vorhanden) DJ-Fotos, Ambiente/Lightshow, Dekoration und die sogenannten Momentaufnahmen…

#1.1 Gästefotos – “Gestellte” Fotos

Achtet darauf, dass die Leute mit dem Rücken zum Scheinwerferlicht stehen. Der Blitz friert das Motiv ein, wenn es im Schatten steht und wird dadurch scharf – es gibt schönes Hintergrundlicht und evtl. noch Streiflichter an den Leuten. Ihr merkt das sofort wenn plötzlich ein Scheinwerferlicht durch das Gesicht huscht – das Motiv wird unscharf durch Verwackelung und es gibt unschöne helle Farbflecken, die eher stören als Stilmittel sind.

Außerdem sollte der Hintergrund nicht unwillkürlich ausgesucht werden. Wir brauchen nicht über eine graue oder eintönige Wand zu diskutieren. Sie sieht einfach nur hässlich und steril aus und vermittelt keinerlei Stimmung. Also was für einen Hintergrund? Da ich die Stimmung von der Party mit einfangen möchte wähle ich für die “gestellten Gästefotos” meist eine Perspektive aus, von der man die anderen Leute im Hintergrund sehen kann.

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#1.2 Gästefotos – Momentaufnahmen

Es gibt nichts schöneres als durch die Menge zu laufen und die Momente einzufangen ohne zu dirigieren sondern sie einfach mitzunehmen “wie sie passieren”. Natürlich funktioniert das nicht auf jeder Party, wenn die Stimmung nicht da ist. Aber diese Art von Fotos spiegelt die Stimmung einer Party, wie ich finde, immer noch am besten wider.

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#2 DJ-Fotos

Ist ein DJ da? Dann gehört er natürlich mit in die Galerie. Ich unterscheide zwei Arten von DJs. Die einen, die sich weniger bewegen (da reichen 2 – 3 Bilder aus verschiedenen Winkeln, sonst wird es öde) und es gibt diejenigen, die der Masse einheizen und am Pult ordentlich “abgehen”. Das sollte man auf jeden Fall festhalten und mehrere Bilder schießen! Vor allem dann wenn die Gäste beteiligt und drauf zu sehen sind wie sie “abgehen”. Neben den Poser-Fotos…

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…sind mir aber die Bilder liebsten, die man spontan macht und den DJ einfach beim Act fotografiert.

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#3 Fotos ohne Blitz

Wie grade eben kurz bei den DJ-Fotos angesprochen…. wenn genug Licht vorhanden ist und die Location ein gutes Lichtsetting mit Effekten (z.B. Nebel) zu bieten hat auch mal ohne Blitz fotografieren und experimentieren.

Gezielt gegen das Licht, für schöne Effekte, fotografieren…

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Wenn auf Acts/Gäste genug Licht kommt oder diese selber Licht von sich geben… Blitz aus!

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#4 Atmo-Bilder

Sie sollen zeigen “was/wieviel los gewesen ist”. Der Blitz ruiniert in 95% der Fälle die Atmosphäre. Also lieber abschalten – und nur dann nutzen wenn wirklich gar kein Licht auf die Gäste scheint. Dafür wartet man am besten ab wenn die Lichtanlage voll aufgefahren wird. Das passiert in großen Discos häufiger, wenn z.B. der Refrain von nem Song gespielt wird.

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Ist es eine Mottoparty? Gibts besondere Deko? Foto machen!

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Kleiner Tipp bei längeren Belichtungszeiten: lehnt euch gegen eine Wand an und haltet eure Arme ganz nah am Körper um Verwackelungen zu vermeiden.

#5 Besondere Motive

Im Hinblick zu allen vorangegangen Punkten lässt sich sagen, dass man die Augen nach “besonderen Motiven” auflassen sollte. Details runden eine Fotogalerie ab. An Karneval, Halloween oder speziellen Mottoparties ist das nicht so schwierig. Gibts besondere Deko die auffällt? Hat jemand etwas angezogen, dass aus der Masse sticht oder ein Gimmick mitgebracht? Auch alles was man nicht jedes Wochenende irgendwo sieht ist es wert abfotografiert zu werden. Hantiert jemand an der Pyrotechnik? Ruhig mal fragen zu welchem Zeitpunkt etwas gezündet wird oder die Leute animieren “etwas” zu tun. Vorschläge zum Grimassen ziehen werden seltenabgelehnt…

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#6 “Falsche Motive”

Dann gibt es natürlich Motive, die eine Party und dessen Galerie eher ab- statt aufwerten. Das wären zum Beispiel:

  • Volle Aschenbecher, leere Biergläser. Bei so etwas muss ich direkt an eine Eckkneipe denken wo man um fünf Uhr morgens den letzten Korn trinkt.
  • Geschlossene Augen bei gestellten Fotos. Schaue kurz mit auf das Display wenn du das Foto den Gästen zeigst. Für denjenigen ist es ziemlich ärgerlich, bei einem eigentlich schönen Foto mit geschlossenen Augen da zu stehen. Oder auch: zwei Fotos in Serie machen.
  • Smartphones sind allgegenwärtig. Störend sind sie aber vor allem wenn sie z.B. jemand direkt vorm DJ Pult oder da wo es “abgeht” eine ihr Gesicht in das Handy stecken und Facebook checken oder ‘whatsappen’. Für Fotos nicht ganz so geil, weil es desinteressiert wirkt und eine ‘lahme’ Party suggeriert.
  • Besoffene Menschen. Augen halb zu, müder Gesichtsausdruck – wirkt unschön. Achte auch darauf das kein Betrunkener, der sich z.B. wo anlehnt, im Hintergrund ins Auge fällt. Sowas verdirbt die Gesamtatmosphäre.
  • Tanzende Menschen, denen es peinlich sein könnte. Tanzende Menschen sollen elegant aussehen, cool – man wäre gerne dabei. Es passiert aber auch oft, dass der Gesichtsausdruck unvorteilhaft getroffen ist oder die Körperhaltung alles andere als “elegant” aussieht. Dann lieber drauf verzichten/aussortieren anstatt die Galerie damit zu füllen.
  • Doppelt, dreifach – mehrfach. Keine zwei Atmobilder aus der gleichen Position wo “nichts” passiert direkt hintereinander in der Galerie. Oder gestellte Fotos auf denen die Menschen das gleiche machen. Da ist weniger mehr.

Zuletzt sei gesagt, dass…

…es bei einer Fotostrecke für eine Feier oder Party nicht darauf ankommt, jede Person einfach zu “porträtieren”. Eine Galerie in der man nur lächelnde Gesichter sieht sagt nicht viel aus außer vll. “hey schaut mal her, auf meiner Party gibts die schönsten Menschen”. Vielmehr geht es darum, die Gesamtstimmung einzufangen. Zu zeigen was dort abgelaufen ist. Was man verpasst haben könnte. Evtl. auf die nächste Party einzustimmen. Ein bunter Mix aus all solchen genannten Fotos macht eine schöne Galerie aus.

Nachfolgend ein paar Sätze, wenn du auf einer öffentlichen Party im Club fotografierst:

Als Fotograf solltest nicht schüchtern mit eingezogenem Haupt durch die Gegend wandern oder die ganze Zeit in einer Ecke auf passende Momente warten. Wenn euch Leute auf die Kamera oder euren Job ansprechen dann unterhaltet euch. Unfreundlich abwimmeln ist eher uncool. Ihr müsst nicht direkt Freundschaft schließen, aber ein kleiner Small Talk lockert die Sache auf und lässt euch wohler fühlen. Nur nicht von Dummschwätzern einschüchtern lassen…

…sowie von Fotografen, die alles besser wissen wollen und mit ihrer doppelt so teuren Ausrüstung prahlen. Man braucht keine besonders teure (Profi-)Ausrüstung um anständige Bilder machen zu können. Seid lieber kreativ und umgänglicher mit den Gästen. Ich hab mir von solchen Leuten schon viel angehört und habe immer wieder gemerkt: die Großschwätzer machen die deutlich schlechteren Fotos. Bleibt bescheiden und lasst nicht den großen Maestro raushängen.

Viel Text, ich weiß… hoffe dennoch dass ihr nicht alles übersprungen habt und ich ein wenig helfen konnte 🙂

Beste Grüße,
Dariusz.

Hier könnte ein cooler Spruch von Einstein stehen. Aber stattdessen gibt's das: